Freitag | 25. Juni 2021
 
Mettmann  | 

Trauer um Dr. Peter Feyen – ein Nachruf

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Der Vorstandsvorsitzende der Genossenschaft VierViertel für Mettmann und Mitbegründer des Bürgerforums, der sich vielfältig für Mettmann engagiert hat, ist unerwartet im Alter von 73 Jahren gestorben.

Dr. Peter Feyen. Foto: Christian Lord Otto

Dabei hatte er doch noch so viele Pläne für „sein Mettmann“ – die Stadt, für die er sich seit vielen Jahren auf ganz unterschiedliche Art und Weise und stets mit voller Kraft engagiert hat – ob mit dem Bemalen von grauen Stromkästen, Hausschildern an historischen Gebäuden, dem Finden einer neuen Heimat für das Kunsthaus, durch einen autofreien Sonntag, die Rettung alter Türen und der Säulen der Alten Posthalterei … Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen. Mit all diesen Dingen wird Dr. Peter Feyen in Erinnerung bleiben. Nun ist er im Alter von 73 Jahren unerwartet verstorben. Wir sind traurig und in Gedanken bei seinen Angehörigen!

Feyens Mitstreiter der Genossenschaft VierViertel für Mettmann haben folgenden Nachruf verfasst:

Der Doktor der Chemie, der Jahrzehnte im Dienst der Firma Bayer stand, war ein ausgesprochener Familienmensch. Wir empfinden mit seinen Angehörigen große Trauer und sprechen Ihnen unser tiefstes Mitgefühl aus. Neben seiner merklichen Leidenschaft für die Familie und seinem beruflichen Schaffen, zeichneten ihn ein großes handwerkliches Geschick sowie seine kunstmalerischen Fähigkeiten aus. Er war ebenso ein Streiter für seine Heimat Mettmann und noch spezieller für „sein Quartier“ MettmannSüd. Viele kennen ihn durch die Stadt radelnd, und in seinem blauen Arbeitspullover gekleidet, war er sofort bereit, wenn es etwas zu reparieren galt.

Uns als seinen Weggefährten in der Genossenschaft sei es hier erlaubt, speziell sein Wirken für die Stadt – allein im letzten Jahrzehnt – zu würdigen. Wir rufen damit gerne all’ die Projekte und die scheinbaren Kleinigkeiten in Erinnerung, die unweigerlich mit Peter Feyen verbunden sind und es auch immer bleiben werden. Zudem wird jedem die Dimension bewusst, die ihn nicht nur als Ideengeber, sondern eben auch als Umsetzenden ausgemacht hat.

Wenn es den Titel „Mr. Stadt-Engagement“ gäbe, er hätte ihn verdient, denn mit ihm verliert Mettmann einen, der ein Unruhiger war. Nein, die Stadtentwicklung gemütlich vom heimischen Sessel oder Garten heraus beobachten, das war für Peter Feyen nichts. Er war ein Getriebener seiner eigenen Kreativität und bekannt dafür, stets neue Ideen zu entwickeln, wie man Mettmann schöner, sauberer, sicherer – einfach besser machen kann; und wie sich Mettmann in seiner Außendarstellung positiver und umfassender präsentiert.Zudem wollte er die Mettmannerinnen und Mettmanner selbst von ihrer Heimat überzeugen, ihnen aufzeigen, was Identität bedeuten kann. Dass es sich lohnt, nicht nur die schönen Ecken, sondern eben auch die Kanten einer Stadt schätzen zu lernen.

2008 war er Mitbegründer und die Jahre danach Vereins-Vorsitzender des Mettmanner Bürgerforums, das zuweilen als „außerparlamentarische Opposition“ empfunden wurde. Allerdings verstand es Peter Feyen hartnäckig, die Stadt-Verwaltung für neue Initiativen zu begeistern. Auf seine Anregung hin wurde der „Arbeitskreis Sauberes Mettmann“ eingerichtet, in dem – übrigens zum allerersten Mal – die Mettmanner Bürgervereine zusammen mit den Ordnungsbehörden, der Werbegemeinschaft, dem Baubetriebshof und der Polizei gemeinsam an gemeinsamen Projekten arbeiteten. Unter anderem sehen wir noch heute als Ergebnis z.B. die Etablierung von Baumpatenschaften sowie die Säuberung und Bemalung der sonst grauen und beschmierten Versorgungskästen. Auch der „Arbeitskreis Profil & Kommunikation“ ging auf sein Konto – wieder unter breiter Mitwirkung der relevanten Stadtakteure und mit professioneller Begleitung, dessen Ergebnis den Grundstein für die bis heute gültige Stadtmarketing-Kampagne legte.

Neben seinem Engagement zur Reaktivierung des alten Königshof-Theaters auf der Poststraße, entwickelte er auch Ideen zur Re-Urbanisierung des Areals zwischen Breite Straße, Bahnstraße und Flintropstraße, die so genannten Overhoffsche Höfe – ein Kleinod im Herzen von Mettmann mit altem Baumbestand, durch das noch sichtbar der Mettmanner Bach fließt. Hier sollte ein Raum zum Verweilen für Kommunikation und Kultur mit Hinterhof-Charme entstehen. Das Projekt befand sich bereits auf der Zielgeraden – mit Verwaltung und Politik an Bord –, es scheiterte leider an den PreisVorstellungen der Eigentümer. Für dieses Projekt wurde mit weiteren Mitstreitern eigens die Genossenschaft „4/4 für Mettmann eG – Entwicklung Innerstädtischer Lebensräume“ gegründet, denn Peter Feyen plädierte bei seinen Mitbürgerinnen und Mitbürgern unermüdlich dafür, dass es sich auszahlt, sich für die eigene Stadt zu engagieren und in sie zu investieren – nicht nur Herzblut, sondern auch Geld.

Es fing an mit dem seit Jahrzehnten sichtbaren Schandfleck auf dem Marktplatz. Das heruntergekommene Haus Markt 4 mit seiner bröckelnden Fassade ließ Peter Feyen nicht ruhen. Er nahm kurzerhand mit dem Eigentümer Kontakt auf und überzeugte ihn davon, nach langem denkmalrechtlich begründetem Stillstand, wieder zu investieren. Peter Feyen führte viele Gespräche mit Behörden und Handwerkern, zeichnete die Grundrisse nach, stellte Anträge und schließlich stand er selbst auf dem Gerüst, um die alten Schieferplatten zu entfernen. Nicht nur die Fassade von der Markseite her glänzte danach im neuen-alten Glanz, er sanierte ebenso im Inneren das Treppenhaus nach historischem Muster. Auch der gesamte Gebäudekomplex zur Mühlenstraße 27/29 wurde unter seinem maßgeblichen Dazutun saniert. Hier fand das Kunsthaus, dessen Verein in höchsten Nöten neue Räume suchte, eine neue prägnante, beliebte und gut frequentierte Heimstatt.

Zu guter Letzt organisierte Peter Feyen noch mit Hilfe von Fördergeldern die Beseitigung eines Angst-Raumes mit professioneller Beleuchtung und Aufhübschung der danebenliegenden alten Kirchtreppe zum Markt hinauf.Am liebsten wäre ihm noch gewesen, wenn der überregional renommierte Künstler Felix Dröse einen seiner „Summsteine“ vor dem Kunsthaus hätte installieren dürfen. Dieser sollte an einen der bekanntesten Söhne Mettmanns – Konrad Heresbach – erinnern.

Apropos Heresbach: auch beim gleichnamigen Gut vor den Toren Mettmanns war Peter Feyen mit dem Anstoß und der Vermittlung von Restaurationsarbeiten aktiv, um es zu erhalten. Und sein Konzept eines 1. HeresbachBauernmarktes, der coronabedingt noch nicht stattfinden konnte, steht sinngemäß in den Startlöchern. Heimatliterat und Heimatkünstler Peter Feyen fasste seine Gedanken und geschichtlichen Recherchen auch in zwei Büchern zusammen: „Mettmann – Freizeit in den Aufbruchjahren“ sowie dem erst kürzlich erschienenen Werk „Mettmann-Süd …von wegen nur Acker“. Hierfür bastelte er auch ein verkleinertes Modell des heute nicht mehr existierenden Gutes Hellenbruch.

Außerdem widmete er sich mit Akribie seinem malerischen Talent. Seine Bilder stellte er u.a. nicht nur zu Gunsten der Spielplatzpaten zur Verfügung, sondern einige Werke sind im Stadtwaldhaus und in der Volksbank zu bewundern. Seine im wahrsten Wortsinn größten Bilder fanden zur 1111- jährigen Jubiläumsfeier Beachtung, mit 12 überdimensionalen Plakaten, die die Geschichte Mettmanns in Bezug zur Weltgeschichte abbildeten.

Sein Engagement zur Rettung der „Alten Posthalterei“ wurde allerdings nicht belohnt. Die Genossenschaft hatte ein recht erfolgversprechendes Sanierungs- und Nutzungs-Konzept zur millionenschweren Förderung entwickelt. Der Antrag wurde leider – unter Berücksichtigung eines anderen Förderprojektes in der Nähe – vom entsprechenden Ministerium nicht bewilligt. Voller Stolz war Peter Feyen wiederum, als die Genossenschaft 2017 mit dem 3. Platz des Ideenwettbewerbs der NRW.BANK (in der Kategorie Quartiersentwicklung sogar als Sieger) ausgezeichnet wurde und damit eben auch sein unermüdlicher Einsatz für die Stadt gebührend honoriert wurde. Es hat ihn zudem sehr gefreut, dass er jüngst für den Heimatpreis der Stadt Mettmann vorgeschlagen wurde.

So erschütternd uns die Nachricht von deiner letzten Reise getroffen hat, so sind wir doch dankbar, dass wir dich kennen und erleben durften, und dass es dich gab. Im Stadtbild werden wir uns jedes Mal an dich erinnern, wenn wir die Umsetzungen deiner Taten betrachten. So ganz geht man eben doch nicht. In deinem Fall, lieber Peter, bleibt ganz viel!


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