Samstag | 13. Dezember 2025
 
Neanderland  | 

131.000 Brötchentüten als Zeichen gegen Gewalt an Frauen und Mädchen

Von

Anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen und Mädchen am 25. November 2025: „Gewalt kommt nicht in die Tüte“.

Die Gleichstellungsbeauftragten im Kreis Mettmann setzen sich aktiv gegen Gewalt an Frauen und Mädchen ein. Foto: Kreis Mettmann

Auch in diesem Jahr setzen die elf Gleichstellungsbeauftragten im Kreis Mettmann und der SKFM Mettmann e.V. gemeinsam mit Bäckereien, Apotheken, Tankstellen, Tafeln und zahlreichen Unterstützer*innen ein deutliches Zeichen: Unter dem Motto „Gewalt kommt nicht in die Tüte“ werden im gesamten Kreisgebiet 131.000 Brötchentüten verteilt. Das sind 6000 mehr als im vergangenen Jahr. Den damit verbundenen hohen Beschaffungs- und Koordinationsprozess übernahm auch in diesem Jahr das Gleichstellungsbüro der Stadt Erkrath. Jede dieser Tüten trägt eine Botschaft gegen häusliche Gewalt und verweist auf Hilfsangebote für betroffene Frauen und Kinder.

Die Brötchentütenaktion ist längst zu einem sichtbaren Symbol geworden. Sie erinnert daran, dass Gewalt gegen Frauen und Mädchen kein Einzelfall, sondern trauriger Alltag ist, auch im Kreis Mettmann.

Zahlen, die wachrütteln

Laut dem Bundeskriminalamt (BKA) wurden im Jahr 2023 bundesweit 256.276 Menschen Opfer häuslicher Gewalt, rund 70 Prozent davon Frauen. Für 2024 liegen bislang noch keine offiziellen Zahlen vor. Nach aktuellen Schätzungen von Fachverbänden, darunter der Frauenhauskoordinierung e. V., ist jedoch erneut von einem weiteren Anstieg auf über 265.000 Betroffene bundesweit auszugehen.

Im Kreis Mettmann wurden im Jahr 2024 800 Fälle häuslicher Gewalt polizeilich registriert. Ein Vielfaches an Fällen aus dem sogenannten Dunkelfeld muss hinzugerechnet werden. Darüber hinaus betreute der SKFM Mettmann e. V. im selben Jahr insgesamt 1.500 von Gewalt betroffene Frauen sowie 850 Kinder.

Diese Zahlen verdeutlichen: Gewalt findet mitten in unserer Gesellschaft statt, in allen Altersgruppen, sozialen Schichten und Lebenssituationen.

Umsetzung des Gewalthilfegesetzes

Die Gleichstellungsbeauftragten betonen: „Das Anfang 2025 durch den Bundestag verabschiedete Gewalthilfegesetz ist ein wichtiger Meilenstein für von Gewalt betroffene Menschen, weil es einen individuellen Rechtsanspruch auf Schutz und Beratung ab 01.01.2032 vorsieht. Es stellt aber auch Länder und Kommunen vor große Herausforderungen, da die Strukturen vor Ort geschaffen werden müssen. Dieses große Aufgabenpaket muss jetzt beherzt und mit finanziellem Einsatz von Bund, Ländern und Kommunen angegangen werden, damit das Gesetz kein Papierversprechen bleibt und Betroffene endlich ausreichend Hilfe erhalten können. Gewaltfrei leben ist ein Menschenrecht und darf nicht von Haushaltslagen abhängen.“

Wie groß der Bedarf an Schutzeinrichtungen ist und wie dringend Frauenhausplätze ausgebaut werden müssen, wird daran deutlich, dass bundesweit derzeit rund 14.000 Plätze fehlen (Statistik der Frauenhauskoordinierung e. V., Oktober 2024).

Gewaltschutz beginnt vor Ort, in der Nachbarschaft, im Freundeskreis und im Arbeitsumfeld. Mit ihren Aktionen rund um den 25. November möchten die Gleichstellungsbeauftragten im Kreis Mettmann Mut machen, hinzuschauen, hinzuhören, Hilfe anzubieten und Haltung zu zeigen. „Mitmenschlichkeit zeigt sich darin, Betroffenen beizustehen, denn Gewalt geht uns alle an.“


Alle Rechte vorbehalten.

Wo kann ich diesen Artikel kommentieren?

Leider bieten wir diese Funktion nur unseren Abonnenten an. Registrieren können Sie sich hier. Sollten Sie bereits Abonnent von Taeglich.ME sein, so können Sie sich hier einloggen und diesen Artikel kommentieren.