Freitag | 12. April 2024
 
Neanderland  | 

Ein „durchwachsenes“ Ernteergebnis

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Die heutige Landwirtschaft hat in ihren Grundbedingungen wenig mit den romantischen Bildern im Fernsehen gemein. Vielmehr steht sie im internationalen Wettbewerb, im Zeichen des Klimawandels und der gesetzlichen Vorgaben. Dennoch konnte die Kreisbauernschaft Mettmann in ihrer Pressekonferenz eine Bilanz ziehen, die einen Hoffnungskeim erkennen ließ. Insbesondere soll die politische Ebene die Lage vieler Höfe verbessern und stützen.

Stellenleiterin Ursula Jandel, Benedikt Kneer von der rheinischen Landjugend, Kreislandwirt Bernd Kneer, Kreisvorsitzender Martin Dahlman und Kreisgeschäftsführer Marcel Terhardt stellten die Erntebilanz 2023 vor

„Bedingt durch ein nasses Frühjahr, gefolgt von Trockenheit im Mai und ständigen Niederschlägen im Juli gestaltete sich die diesjährige Ernte äußerst schwierig. Sie war für die Bauern eine echte Zitterpartie und stellte sie vor enorme Herausforderungen“, berichtete Martin Dahlmann, Vorsitzender der Kreisbauernschaft, heute. Er hatte mit Kreislandwirt Bernd Kneer, der Kreisstellenleiterin Ursula Jandel, dem Kreisgeschäftsführer Marcel Terhardt und Benedikt Kneer, Vorsitzender der Rheinischen Landjugend, zum Bilanzgespräch eingeladen, das thematisch für ein komplettes Wochenend-Seminar genügend Diskussionsstoff liefern konnte.

Ausgehend von der unterschiedlichen Bodenqualität im Bereich der Kreisbauernschaft offenbarten sich die Schwierigkeiten, mit denen die Landwirte zu kämpfen haben. Besonders die Auswirkungen des Klimawandels bedeuten eine abnehmende Planungssicherheit für die Betriebe. „Die Ernte der frühen Getreidesorten verlief bis Mitte Juli gut. Danach folgten anhaltende Niederschläge und teilweise führten Unwetter zu wochenlangen Erntepausen. Auf dem Mähdrescher waren wir frustriert. Keine ausreichenden Mengen und Qualitäten zeichneten sich ab. Damit kam es zu Problemen bei Verkauf und mithin weniger Einkünfte. Investitionen mussten wir deshalb verschieben“, berichtete Bernd Kneer. Als Beispiel nannte er die Biogasanlagen, die nicht alles minderwertige Getreide nutzten konnten. Infolgedessen sank der Preis dafür. Dagegen stiegen die Kosten für Düngemittel, die verstärkt eingesetzt werden mussten, durch den Ukraine-Krieg deutlich an. Dazu kamen anderen Kostensteigerungen wie bei der Energie. „Auf den Brötchenpreis wirken sich unsere erhöhten Getreidepreise kaum aus. Da sind andere Kräfte am Werk wie die Strompreise und auch gewinnorientierte Spekulationen. Ich will aber niemanden einen Vorwurf machen“, meinte Kneer. Es fehlten aus dem politischen Raum flankierende Maßnahmen, um den Markt unter Kontrolle zu halten, so Dahlmann.

Die in der Europäischen Union diskutierte Neufassung der „Planzenschutzmittelverwendungsverordnung“ sorgt wegen der Sperrigkeit des Begriffs nur für kurzes Lächeln. Denn die konventionellen Landwirte befürchten durch sie Ertragseinbußen, die viele Betriebe in den Ruin treiben. „Natürlich setzen wir nur soviel Dünger und Pflanzenschutzmittel ein, wie gerade notwendig ist“; betont Dahlmann. Im Zeichen des Klimawandels, der beständig an Tempo gewinnt, setzt man parallel auf neue Getreidearten, die den geänderten Bedingungen stand halten. Die traditionelle Erzeugung von resistentem Getreide dauere jedoch zu lang. Deshalb sei die Gen-Technik unverzichtbar. Weitere Schweißperlen bilden sich bei den Bauern, wenn sie an die Nutzung von landwirtschaftlichen Flächen als Solarparks denken. Das treibe die Boden- und damit die Pachtpreise in die Höhe, Überhaupt machen ihnen Investitionsfonds und Lebensmittelkonzerne das Überleben schwer. „In verschiedenen Verhandlungsrunden erarbeiteten die Erzeuger, Politiker, Umweltverbände, Industrie und andere Akteure ein tragbaren Kompromiss, der leider in der Schublade verschwunden ist“, meinte Dahlmann. Daneben gibt es noch Konzentrationsprozesse bei Milchprodukten und der Nutzung von Wasser, die zur Komplexität der Problematik beitragen.

„Wir hoffen im nächsten Jahr auf günstigeres Wetter. Obwohl wir immerhin bei den Kartoffeln und den Zuckerrüben im knapp grünen Bereich liegen, müssen wir uns auf weitere Änderungen einstellen. Unsere Rezept lautet dafür, sich nicht auf ein Produkt zu verlassen. Mittlerweile sind wir beispielsweise Landschaftsschützer, Gastronomen, Einzelvermarkter und Arbeitgeber“, schließen die Landwirte den Termin. Sie lassen jedoch keinen Zweifel daran, dass sie ihren Beruf mit einer Leidenschaft ausüben, die genügend Ideen für die Zukunft erzeugt.


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