Mittwoch | 1. Dezember 2021
 
Neanderland  | 

Nie wieder Fußballtraining durch Kreuzbandriss?

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Wie geht ein begeisterter Fußballspieler damit um, wenn das Kreuzband gerissen ist? Ist ein Training nach einer Operation überhaupt möglich? Hasan Ülker spielt bei der SSVg Velbert in der Oberliga und erlitt nach einem Foul während eines Spiels solch eine Verletzung.

(v.l.) Hasan Ülker, Dr. med. Peter Riess, Oliver Kuhn (Vorstand SSVg). Foto: Helios Klinikum Niederberg

Es ist ein warmer Tag Mitte August als die SSVg Velbert ein Freundschaftsspiel gegen den Verein Rot-Weiß Oberhausen veranstaltet. Hasan Ülker spielt seit zwei Jahren in der Position des Offensivspielers (rechts außen) bei dem Velberter Verein.

Am Spieltag verlief alles wie immer: Treffen in der Spielerkabine mit der Mannschaft, Aufwärmtraining, Spiel. Dann kam das Foul von hinten eines Gegenspielers und das Knie schwoll an. Hasan Ülker konnte von da an nur vom Platz humpeln und wurde direkt ins Helios Klinikum Niederberg nach Velbert geschickt, um ein MRT vom Knie machen zu lassen.

Die Diagnose war bis dahin schon zu erwarten: Kreuzbandriss. Für den jungen Mann war diese Nachricht gleich doppelt so schlimm, da er eigentlich zwei Tage später seine Ausbildung in einem Betrieb in Wuppertal beginnen sollte. Den Start der Ausbildung musste er aber nun aufgrund der Verletzung erst einmal verschieben.

„Als ich meinen neuen Chef anrufen musste, um ihm mitzuteilen, dass ich mich beim Fußballspiel verletzt habe, war das schon ein sehr unangenehmes Gefühl. Zu meiner Überraschung zeigte er aber sehr viel Verständnis und bot mir an, den Start meiner Ausbildung einfach zu verschieben, bis ich wieder genesen bin“, berichtet der Hasan Ülker. Der behandelnde Chefarzt, Dr. Peter Riess, der die Spieler des Vereins seit vielen Jahren bei allen Sportverletzungen betreut, hat dem Spieler nach der Diagnose und der MTR-Bildgebung zur Operation des Kreuzbandes geraten, damit der Sportler seinen Sport auch weiterhin problemlos ausüben kann.

Der OP-Termin wurde zwei Wochen nach der eigentlichen Diagnose auf Anfang September vereinbart. „Bei der Operation haben wir über einen kleinen Hautschnitt in der Nähe des Kniegelenks eine Sehne von der Innenseite des Oberschenkels entnommen (Semitendinosussehne). Dann wird, in einer arthroskopischen Operation (Schlüssellochtechnik), über zwei wenige Millimeter lange Hautschnitte je ein Bohrkanal in den Unterschenkel- und in den Oberschenkelknochen angelegt“, berichtet der Sportmediziner. Durch die Bohrkanäle wurde die Ersatzsehne in das Kniegelenk eingezogen und im Knochen befestigt. Für die Befestigung im Knochen wurden Schrauben verwendet, die sich im Verlauf der Zeit selbst auflösen und damit einen Zweiteingriff zur Entfernung unnötig machen.

Hasan Ülker hatte den operativen Eingriff gut überstanden und war nun die erste Zeit auf Unterarmstützen angewiesen, da er das Knie nicht weiter belasten durfte.

„Im Rahmen der Heilungsphase über mehrere Monate wächst die Ersatzsehne dann in den Knochen ein und bildet sich mit der Zeit zu einem lebendigen neuen Kreuzband um. Bei dieser arthrokopischen Operation wird dann auch gleichzeitig der Schaden am Meniskus behoben“, erklärt der Chefarzt weiter.

Wenn man vom Kreuzbandriss spricht, meint man fast immer das vordere Kreuzband, da es um ein vielfaches häufiger verletzt wird als das hintere Kreuzband. Ein Riss des vorderen Kreuzbandes ist eine schwerwiegende Verletzung des Kniegelenks, die in den meisten Fällen beim Sport auftritt. In Deutschland kommen etwa 100.000 Kreuzbandrisse pro Jahr vor, davon mehr als 80 Prozent beim Sport.

In allen Fällen kann die Verletzung eine schwere Funktionsstörung des Kniegelenks verursachen, die den Betroffenen in seiner Aktivität einschränkt und im schlimmsten Fall zum vorzeitigen Gelenkverschleiß bis hin zur Belastungsunfähigkeit und Kniearthrose führt. Eine frühzeitige Diagnose und geeignete Therapie helfen, negative Spätfolgen für das Kniegelenk zu vermeiden. Spezielle krankengymnastische und trainingstherapeutische Behandlungsformen haben eine vordringliche Bedeutung in der Behandlung. Häufig ist aber auch eine Operation notwendig, um die Stabilität des Kniegelenks wiederherzustellen. Die Sportmedizin hat in den letzten Jahren enorme Fortschritte bei der Diagnostik und Behandlung gemacht, durch die die früher häufig schlechte Prognose bei dieser Verletzung entscheidend verbessern werden konnte.

Der Fußballspieler hatte Glück im Unglück: Vom Tag nach der OP bis zu dem Zeitpunkt, an dem er das Bein wieder voll belasten durfte, hatte er keinerlei Schmerzen. Lediglich physiotherapeutisch wurde er im Nachhinein vom multiprofessionellen Physiotherapeuten-Team im Helios Klinikum Niederberg behandelt. Natürlich hat er sich große Ziele für die Zukunft gesteckt: Er möchte bald wieder mit seiner Mannschaft trainieren und seinen Ausbildungsberuf bei seinem Betrieb in Wuppertal beginnen. Die Prognose, dass er bald wieder auf dem Feld stehen kann, ist durchaus gut. Wegen der Coronapandemie können momentan keine Spiele stattfinden und deshalb hat Hasan Ülker auch genug Zeit, um seine Verletzung komplett auszukurieren.


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