Freitag | 5. Juni 2020
 
Kurz notiert im Neanderland  | 

Piraten wollen Kreistagssitzungen streamen

Von

„Das ist längst keine ‚verrückte Piratenidee‘ mehr. In vielen Städten wird das Streaming von Sitzungen bereits seit einigen Jahren mit Erfolg praktiziert“, sagt Thomas Küppers von der Gruppe Piraten im Kreistag. So werden etwa in der Landeshauptstadt Düsseldorf Ratssitzungen live übertragen werden und bis zur Genehmigung der Niederschrift auf der Homepage der Stadt zur Verfügung gestellt. Auch in Köln, Wuppertal, Essen und Leverkusen setzt man für mehr Transparenz und Teilhabe auf Ratsstreaming.

Die Sitzungen werden in der Regel von mehr Bürger verfolgt, als Besucherplätze in den Sitzungssälen zur Verfügung stünden. In Wuppertal etwa verzeichnete man bereits 2013 bei der Live-Übertragung der Sitzung am 29. April insgesamt 899 Zugriffe. Etwa 250 Nutzer hätten die gesamte Sitzung live verfolgt und 300 weitere hätten in den folgenden drei Wochen auf die Aufzeichnung zugegriffen. Bei der Rats-TV-Premiere in der Stadt Essen klinkten sich 2013 laut einem Zeitungsbericht 1.700 Personen während der Sitzung ein. In der Spitze verfolgten 380 Menschen zeitgleich das Geschehen.

Diese Zahlen liegen sieben Jahre zurück. Aktuell bewegen sich die Zugriffszahlen zwischen circa 500 (Neuss, Solingen) bis 3500 Zugriffe (Köln, Düsseldorf) je Livesendung. Im Nachgang werden die Aufzeichnungen 500 bis 3500 Mal im ersten Monat abgerufen. Mit den nachfolgenden Generationen, die quasi mit Streaming-Diensten heranwachsen, wachse die Zahl der Bürger, die auf diese Weise Sitzungen im politischen Raum mitverfolgen, weiter.

Viele Bürger, die interessiert wären, können aus beruflichen Gründen nicht an Sitzungen teilnehmen. Die Corona-Pandemie habe vermutlich darüber hinaus dazu geführt, dass Risikogruppen – aus Sorge vor einer möglichen Ansteckung – den Sitzungen fernbleiben. Das Streaming und die Bereitstellung über die Homepage, würde es allen interessierten Bürgern ermöglichen die Sitzung entweder live zu verfolgen oder zu einem späteren Zeitpunkt anzuschauen und so mehr an den politischen Entscheidungsprozessen teilzuhaben.

Aktuell seien die Fraktionen aufgrund der Corona-Pandemie quasi gezwungen, sich mit den digitalen Alternativen für Fraktionssitzungen auseinanderzusetzen. Deshalb hofft Thomas Küppers, dass auch die ältere Generation der Kreistagsmitglieder die Scheu vor dem Streaming von Kreistagssitzungen ein wenig verloren hat. „Wir können doch als Politiker nicht immer wieder von der Digitalisierung sprechen und dann selbst ein schlechtes Beispiel für deren Umsetzung sein“, ist Küppers überzeugt, dass Politiker auch eine Vorbildfunktion haben sollten.

„Damit hätten dann auch die Lokalredaktionen die Möglichkeit den Sitzungsverlauf und die Redebeiträge später abzurufen, wenn kein Redakteur vor Ort sein konnte. Das ist aufgrund des Wegfalls vieler Lokalredaktionen leider immer häufiger der Fall“, argumentiert auch Kreistagsabgeordnete Ria Garcia dafür mit Streaming von Sitzungen mehr Öffentlichkeit herzustellen.


Alle Rechte vorbehalten.

Wo kann ich diesen Artikel kommentieren?

Leider bieten wir diese Funktion nur unseren Abonnenten an. Registrieren können Sie sich hier. Sollten Sie bereits Abonnent von Taeglich.ME sein, so können Sie sich hier einloggen und diesen Artikel kommentieren.