Freitag | 23. Februar 2024
 
Neanderland  | 

Schon heute geht es los: Molière auf der Sommerbühne

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Die neanderland Biennale 23 geht in die dritte Runde – in Haan, Mettmann, Monheim am Rhein, Ratingen und Wülfrath.

Vergangenes Wochenende wurde mit großer Resonanz in der Wülfrather Awo das Stück "Oh wie schön ist Panama" aufgeführt. Foto: TME

Auch in Woche drei begeistert die diesjährige neanderland Biennale mit einem abwechslungsreichen Programm.

Los geht es heute in Ratingen. Fast schon traditionell gastiert das Ensemble des NN Theaters aus Köln um 19 Uhr auf der Sommerbühne vor der Stadthalle in Ratingen (Hans-Böckler-Str.) Dieses Mal mit seinem neuen Stück „Molière – Drama, Dreck und Don Juan“.  Frankreich im Jahr 1650 bis 1673. Ein Theaterkarren zieht durch die französische Provinz, es ist das „Illustre Theater“, ein verarmtes Volkstheater rund um Regisseur, Schauspieler und Autor Molière sowie der Theaterleiterin Madeleine Béjart. Die Landbevölkerung bejubelt Molières neues Stück „Don Juan“, doch die Einnahmen sind mager. Wohl auch, weil sich Molière mit der mächtigen Kirche anlegt und immer wieder Spielverbot erhält. Nicht umsonst gilt er als die spitzeste Feder Frankreichs. So entlarvt er in der Rolle des Don Juan auf humorvoll bissige Art jegliche Doppelmoral der Obrigkeit. Steht der „größte Liebhaber der Welt“ zwischen hunderten Frauen, so steht Molière „nur“ zwischen zweien. Ein verhängnisvolles Liebesdreieck, das viel Sprengkraft für die Truppe bedeutet. Molière und Don Juan verschwimmen immer mehr zu einer Figur: was ist Bühne?, was ist Realität? Und plötzlich erhält er eine Einladung bei Hofe. Der Sonnenkönig Ludwig XIV. beabsichtigt den Ruhm Molières für sich zu nutzen. Zwischen Zensur und Zuneigung – ein gefährlicher Drahtseilakt für die Schauspielbande beginnt… Mit Augenzwinkern und Anklängen an 35 Jahre Tourneetheaterleben des NN Theaters Köln erwartet das Publikum ein mitreißendes, humorvoll-berührendes Schauspiel mit Live-Musik und tollen Kostümen. Es spielen: Bernd Kaftan, Christine Per, Oliver Schnelker, Michl Thorbecke und Christina Wiesemann. Bei Regen findet die Veranstaltung alternativ in der Ratinger Stadthalle (Schützenstr. 1) statt. Der Eintritt ist frei.

Entspannend und idyllisch geht es am Freitag, 1. September, im Park Ville d’Eu in Haan zu. Das Ensemble Kroft, bestehend aus Hanna Linde und Torsten Blunk, verwandelt ab 14 Uhr bis etwa 17 Uhr den Park in ein Wassercafé. Die bespielte Installation „Schönes Wasser“ beschäftigt sich mit der Schönheit und Wertigkeit der lebenswichtigen Ressource Wasser. Durch die liebevoll gestalteten und begehbaren Kulissen sowie die kunstvolle Inszenierung der beiden Darsteller erwartet die Parkbesucher entschleunigte Unterhaltung, gespickt mit überraschenden und inspirieren Momenten. Jeweils um 14 Uhr und 16 Uhr beginnt die Spielzeit des Ensembles. Bei schlechtem Wetter findet die Veranstaltung im Haus an der Kirche (Kaiserstr. 40) statt.  Passend zum Thema wird nahe des Wassercafés eine kleine Ausstellungsfläche zum Thema virtuelles Wasser und dem ökologischen Wasserfußabdruck durch unseren täglichen Konsum aufgebaut. Dort sind dann Leihgaben des Aquarius Wassermuseums in Mülheim an der Ruhr (RWW) zu sehen: es handelt sich um Alltagsprodukte, über deren spezifischen Wasserbedarf man sich eigenständig informieren kann.

Am Samstag, 2. September, gibt es um 12 Uhr ein Wiedersehen mit dem Ensemble von TheatreFragile, das die begeisterten Biennale-Zuschauer bereits am letzten Samstag im Wald um die Wasserburg Haus Graven zu einem spannenden Hörparcours mitnahm. Der Inhalt des Stücks, das um 12 Uhr „Am Königshof“ in Mettmann gespielt wird, wird im Untertitel bereits deutlich: „Are you ready? Klimawandel ist jetzt! – Performance“.

Zwischen dem, was wir wissen und dem, was wir tun, klafft ein Abgrund. Und wenn wir handeln, was bewirken wir? Mit einer rituellen Performance bahnt TheatreFragile einen Weg aus dieser widersprüchlichen Position: Mit Gesang, Tanz, physischem Theater und Maskenspiel laden fünf Darsteller das Publikum ein, Leugnung, Wut, Verhandlung, Trauer und Akzeptanz zu durchleben. „Are your ready?“ ist ein freudiger, hoffnungsvoller Akt, der das Publikum mitnimmt – von der Verlusterfahrung in ein gemeinschaftliches Aufschwingen. Stimmen von Menschen, die sich für den Klimaschutz engagieren oder über ihre inneren Konflikte erzählen, finden durch Stimmcollagen und Lieder Gehör. Die Masken beschwören die archetypischen Figuren der Gaia und Frauen aller Kontinente, die unermüdlich für den Wandel kämpfen.

Bei der Aufführung des Stücks „Are You Ready“ im Rahmen der neanderland Biennale kommt es sogar zu einer kleinen Premiere: zum allerersten Mal singt ein Chor mit, und zwar der Chor „MixTour“ aus dem benachbarten Erkrath. Für den Auftritt wurde ein Begleitsong zum Stück einstudiert, den das TheatreFragile eigens dafür komponierte Es spielen: Luzie Ackers, Marlène Colle, Marianne Cornil, Sahra Huby, Nicole Ratjen, Dana Schmidt, Cali Kobel und Ann-Kristin Meyer.

Bei Regen wird die Show in der nahe gelegenen Evangelischen Kirche (Freiheitstraße 19a) gezeigt.

Weiter geht es am Abend des 2. Septembers um 19 Uhr im benachbarten Wülfrath, wo das Stück „BusStop – Theater gegen Rassismus“ an der Bushaltestelle Stadtmitte (Platz Am Diek/Goethestraße) einem abermals sehr ungewöhnlichen, aber authentischen Spielort – gezeigt wird. Dabei handelt es sich um ein multikulturelles Nummerntheater eines engagierten Amateurtheaterensembles:

Das Theaterprojekt „BusStop – Theater gegen Rassismus“ kommt mit seinem aktualisierten und hoch geschätzten Programm aus Frankfurt am Main zur Haltestelle Stadtmitte nach Wülfrath. In kurzen Szenen an einer Bushaltestelle werden Vorurteile und Rassismus thematisiert, wie jeder sie in täglichen Begegnungen erleben kann, auch bei sich selbst. Die Bushaltestelle, die dem Projekt rund um die „Initiative Bunter Tisch – Höchst Miteinander“, dem Verein „PakBann e.V.“ und dem „Begegnungs- und Servicezentrum Höchst“ des Frankfurter Verbandes seinen Namen gab, ist nur ein möglicher Ort dafür. Die dargestellten Szenen beruhen vielfach auf eigenen Erlebnissen der multikulturellen, derzeit 12-köpfigen Theatergruppe: Menschen mit verschiedener Herkunft und unterschiedlichen Alters möchten mit ihrem ehrenamtlichen Engagement ein Zeichen gegen Rassismus setzen, zu einem guten Miteinander beitragen, das Publikum zum Nachdenken anregen und zu Offenheit, Aufmerksamkeit und Gesprächen anstiften. Oft schwingt dabei die Frage mit: „Wer sind wir eigentlich?“ Von Gitarre und Gesang musikalisch umrahmt, hält das Ensemble hierzu überraschende Ideen und Denkanstöße bereit. Bei Regen findet die Veranstaltung alternativ im Haus der Awo (Schulstr. 13) statt.

Am Sonntag, 3. September, gastiert die neanderland Biennale im südlichen Kreisgebiet. In Monheim wird die Innenstadt zum „SpielRaum“. Am Eierplatz führt der Film- und Theaterschauspieler Peter Trabner um 17 Uhr ein nachhaltiges Theaterspektakel zu Konsumwahn unter dem Titel „Das Leben des Diogenes auf“. Peter Trabner kehrt mit seinem neuen rasanten Ein-Mann-Stück zurück zur neanderland Biennale. Nach Empedokles hat er sich nun den griechischen Philosophen Diogenes von Sinope (412 bis ca. 323 v. Chr.) vorgenommen. Über jenen gibt es kaum gesicherte historische Daten, jedoch jede Menge Legenden: Diogenes hatte demnach keinen festen Wohnsitz, er lebte mittellos in der Öffentlichkeit und schlief in einer Tonne. Denn glücklich könne nur sein, wer ein Leben in Selbstgenügsamkeit führt. Peter Trabner überträgt die historischen Überlieferungen ins Hier und Jetzt, bedient sich klassischer Textpassagen aus Christoph Martin Wielands Roman „Sokrates mainomenos oder die Dialoge des Diogenes von Sinope“ (1770) und schafft eine zeitgemäße Reinkarnation des antiken Vorbilds:

Dazu steigt er in Diogenes` Tonne, einen 1.100 Liter Müllcontainer, und holt heraus, was unsere Gesellschaft wegwirft. Es geht um Umweltzerstörung, Konsumwahn, das Immer-Mehr und Immer-Weiter des modernen „Way of Life“. Trabner gelingt der Spagat zwischen ernsthaften Themen und bester Unterhaltung, zwischen philosophischer Dichtung und gewitzter Umgangssprache. Situationskomik entsteht durch die aktive Einbindung des Publikums als (freiwillig) Mitspieler und als Stichwortgeber zu freier Improvisation. Bei schlechtem Wetter wird ein alternativer Spielort in der Nähes des Eierplatzes kurzfristig auf der Website www.neanderland-biennale.de  bekanntgegeben.

Für alle Veranstaltungen gilt: Der Eintritt ist kostenfrei, Anmeldungen sind nicht erforderlich. Am Ende darf nach Belieben gespendet werden – nach dem Motto „betaal wat de häs“. Da das Wetter derzeit sehr unbeständig ist, empfiehlt das Team der neanderland Biennale sich kurz vor Anreise auf der Website oder Facebook-Seite zu informieren, ob draußen oder drinnen gespielt wird.


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