Sonntag | 20. Januar 2019
 
Mettmann Wülfrath  | 

Geschädigte Direktversicherte: Der Protest wächst!

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Die Mitgliederzahl wird jeden Monat größer. In der Region plant die Wülfratherin Gabi Münse im Januar einen großen Informationsabend in Mettmann. "Mindestens 70 Prozent aller betroffenen Arbeitnehmer mit einer Direktversicherung wissen noch gar nicht, was auf sie zukommt, wenn die Auszahlung ansteht," warnt sie.

Der Verein der Direktversicherungsgeschädigten hat einen Stammtisch gegründet und plant weitere Aktionen. Foto: privat

Die Wut hält an. Der Protest wächst. Der Verein der Direktversichertengeschädigten macht mobil. Nun ist für Anfang des Jahres auch ein großer Informationsabend geplant. Mit der Wülfratherin Gabi Münse steht die ehemalige Betriebsratsvorsitzende von Rheinkalk/Lhoist als Vorkämpferin an der Spitze der Bewegung in der Region,

In der Region haben die Mitglieder des Vereins der Direktversicherungsgeschädigten e.V. zu einem Stammtisch aus dem Raum Mettmann, Düsseldorf und Bergisches Land konstituiert. Sie machen ihrem Ärger Luft: „Wir sind nur noch wütend auf die Politik und fühlen uns um unser sauer verdientes Geld betrogen und abgezockt“, sagt Stammtischgründerin Gabi Münse.

Münse erklärt: „Unser Stammtisch hat es sich zum Ziel gesetzt, in unserer Region durch Podiumsdiskussionen mit Vertretern aus Wissenschaft, Politik sowie ausgewiesenen Experten der Altersvorsorge, Informationsstände in Innenstädten oder Messen, aber auch Mahnwachen vor Gerichten und Parteizentralen und anderen Aktionen auf dieses tiefgreifende Unrecht aufmerksam zu machen. Wir werden unsere Aktivitäten mit Vehemenz durchziehen.“

Der Verein Direktversicherungsgeschädigte e.V. ist ein Verein der GMG- geschädigten Direktversicherten (GMG=Gesundheitsmodernisierungsgesetz) mit ca. 6,3 Millionen Betroffenen und ca. 8 Millionen Verträgen, der gegen die Doppelverbeitragung bei Krankenkassen- und Pflegebeiträgen kämpft. Wer mehr über den DVG- Stammtisch erfahren oder daran teilnehmen möchte, kann sich an Gabi Münse, gmuense@gmx.de, wenden.

Das sind die Hintergründe, die für den Unmut sorgen. „Unzählige Rentner fühlen sich abgezockt und betrogen“, sagt Münse. Diese  hätten „freiwillig und oft unter großen Entbehrungen“ über Jahrzehnte lang für den Ruhestand gespart, „aber nicht im Traum damit gerechnet“, dass sich das System der betrieblichen Altersvorsorge für gesetzlich Krankenversicherte einmal als bitterböse Überraschung entpuppen könnte. „Wer mit einer Direktversicherung eine Altersvorsorge anspart, dem drohe keine Altersarmut“. Das war besonders in den 1980/90 Jahren die verbreitete These. „Doch der Schock kommt für Millionen Rentner, wenn die Auszahlung ihrer Direktversicherung ansteht. Das Erschreckende dabei: Mindestens 70 Prozent aller betroffenen Arbeitnehmer mit einer Direktversicherung wissen noch gar nicht, was auf sie zukommt, wenn die Auszahlung ansteht.“

Grund dafür ist eine Gesetzesänderung aus dem Jahre 2004 der damaligen rot- grünen Bundesregierung, die im Rahmen des Gesundheitsmodernisierungsgesetzes (GMG) rückwirkend auch auf alle Altverträge „ohne Rücksicht auf den Bestandsschutz die Spielregeln änderte“, so Münse. Damit habe man den klammen Krankenkassen unter die Arme greifen wollen.

Seit 2004 müssen alle gesetzlich Krankenversicherten auch auf eine Kapitalabfindung den vollen Beitragssatz zahlen, also sowohl den Arbeitnehmer- als auch den Arbeitgeber-Anteil. Der Abzug erfolgt unabhängig davon, ob sie pflicht- oder freiwillig versichert sind. Derzeit liegt er bei durchschnittlich 15,7 % für die Kasse plus 2,35 Prozent für die Pflegeversicherung (für Kinderlose sind es 2,6 Prozent), Tendenz steigend. Der nachträgliche Abzug gilt für die gesamte Auszahlungssumme. Privatversicherte sind von dieser Regelung ausgenommen und müssen nichts zahlen.

Ein Beispiel: 120.000 Euro Auszahlungssumme werden auf 120 Monate umgelegt. Es wird so gehandhabt, als bekomme man zehn Jahre lang 1000 Euro im Monat. Darauf muss man monatlich derzeit 157 Euro für die Krankenversicherung und 23,50 Euro für die Pflegeversicherung zahlen. Erben werden übrigens voll in die Pflicht genommen und müssen auch zahlen.

Dagegen wendet sich der Verein. Der will in der Region weitere Mitglieder gewinnen und mobilisieren. „Im Moment wachsen wir jeden Monat um 150 bis 200 Mitglieder“, stellt Münse gegenüber TME fest. Der Einfluss von DVG-Stammtischen vor Ort wachse ebenso. Am 22. Januar 2019 wird in der Kulturvilla in Mettmann eine kostenlose große Informationsveranstaltung durchgeführt. Bis jetzt haben rund 100 Betroffene ihr Interesse an dieser Veranstaltung angemeldet. Der Justiziar des Vereins sowie Sachverständige und die Politik werden auch zugegen sein und sich allen Fragen stellen.

 


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