Freitag | 25. September 2020
 
Kurz notiert in Wülfrath  | 

Leserbrief | Wir wählen zwischen zwei Personen – nicht Parteien

Von

Zur Kommunalwahl und der anstehenden Stichwahl um das Amt des Bürgermeisters schreibt Bruno Rosen:

„Das Schöne an fast allen Wahlergebnissen sind die Zahlen, die manch interessante Analyse erlauben: Grüne, WG und FDP haben bekanntermaßen zugelegt, alle anderen Parteien haben Stimmen abgegeben. Interessanterweise hat der Bürgermeister-Kandidat der Grünen nominell weniger Stimmen bekommen als seine eigene Partei. Bei  dem Bürgermeister-Kandidat der CDU, Herrn Seidler, ist dieser Abstand  schon deutlich größer. Die Strahlkraft dieser beiden Kandidaten innerhalb und außerhalb der eigenen Parteien war offensichtlich mäßig. Dass der unabhängige Kandidat Rainer Ritsche hingegen deutlich mehr Stimmen als die ihn unterstützende WG und SPD gewinnen konnte, spricht für sich selbst und insbesondere für den Kandidaten.

Dass die CDU schon in der Vorwahlzeit begann, die Grünen anzubaggern, ist seit einigen Wochen kein Geheimnis mehr, trotz ständiger Dementis der Grünen. Eine Partei, die die Stelle des Klimamanagers bereits 2018 wieder abschaffen wollte, „Bauen ohne Grenzen“ (wie zuletzt in der Diskussion um den Nahversorger in der Ellenbeek proklamiert) und  die Zukunft Wülfraths in Baumaßnahmen von Investoren  sieht,  bietet sich den Grünen an. Das passt doch super zu den grünen Prinzipien.

Ja, wir wissen, dass auf Landes – oder Bundesebene die Grünen Honig saugen von Wählern der bürgerlichen Mittelschicht, die zu ihnen hinüberwandern. Aber sind  es in Wülfrath nicht gerade junge, engagierte Menschen, die von den Grünen mehr erwarten, als von der CDU? Waren es nicht eben jene jungen Menschen, die in der Diskussion um die Ausrufung des „Klimanotstandes“ mit „Martin Sträßer – schläfst du noch?“ ihren Frust von der Seele singend durch die Wülfrather Straßen zogen?  Was immer  „Koalitionsgeschenke“ bringen – jetzt geht es um zwei Personen in der Stichwahl, nicht um Parteiprogramme.

Und natürlich könnten sich Grüne, WG und SPD mit ihrer Mehrheit genauso auf gemeinsame Ziele für Wülfrath verständigen, vielleicht sogar auf relevantere.

Beim Amt des Bürgermeisters ist die parteipolitische Farbe eine vernachlässigbare Qualifikation. Die wichtigste Anforderung  sind das Verständnis und die kompetente Beherrschung der Verwaltungsabläufe, sowie die Fähigkeit, eine Organisation von fast  280 Menschen aktiv zu führen; die zweite Qualitätsanforderung liegt in der Offenheit für den Dialog, Klarheit der Zielsetzungen und der politischen Fähigkeit, diese zusammen mit Rat, Kreis und Land umzusetzen.

In der Stichwahl am 27.9.2020 geht es jetzt um zwei Kandidaten für das Amt des Bürgermeisters. Dass Herr Seidler in seinem Wahlbezirk mit fast 48% der Stimmen ein sensationelles Ergebnis als Ratsmitglied erreicht hat, das 14% über seinem Stimmenanteil als BM-Kandidat liegt, zeigt, wie wichtig er als Ratsmitglied ist. Ich bin fest davon überzeugt, in dieser Funktion möchte ihn auch niemand missen. Ich fände es nicht untypisch für die CDU, die absolut und relativ Stimmen verloren hat, wenn das Wohl Wülfraths wieder an zweiter Stelle stünde und über „Deals“ mit den Grünen im Vorfeld versucht würde, ihre Anhänger zu beeinflussen, um so das gewünschte Ergebnis bei der Stichwahl zu erreichen. Also liebe Wülfratherinnen und Wülfrather, wir wählen zwischen zwei Personen. Nicht die Parteien. Nicht der Rat.


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