Mittwoch | 25. November 2020
 
Wülfrath  | 

…und dann die unbekannte Dunkelziffer

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Auch Anne Schemann (l.) unterstützt die Tüten-Aktion der Gleichstellungsbeauftragten Franca Calvano. Foto: Stadt Wülfrath
Auch Anne Schemann (l.) unterstützt die Tüten-Aktion der Gleichstellungsbeauftragten Franca Calvano. Foto: Stadt Wülfrath

Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen am 25. November: Brötchentüten mit der Aufschrift „Gewalt kommt nicht in die Tüte!“ rücken das Problem in das öffentliche Bewusstsein. Die Corona-Lage verschärft die Situation von vielen Frauen und Mädchen.

Mehrere Wochen der Ausgangsbeschränkung liegen hinter uns mit dem Ziel, eine weitere Ausbreitung des Corona-Virus zu verhindern. Weitere Einschränkungen sind geplant, aber zumindest nicht ausgeschlossen. „Gleichzeitig warnen Expertinnen und Experten davor, dass die Reduzierung der sozialen Kontakte und die Isolation in den eigenen vier Wänden vermehrt zu häuslicher Gewalt führt. Die Anzeichen hierfür mehren sich“, sagt Gleichstellungsbeauftragte Franca Calvano anlässlich des Aktionstags gegen Gewalt an Frauen und Mädchen.

Das eigene Zuhause ist für viele Frauen kein Ort der Geborgenheit. Opfer von Partnerschaftsgewalt sind laut Statistik zu mehr als 81 Prozent Frauen. Die Hälfte von ihnen hat in einem gemeinsamen Haushalt mit dem Tatverdächtigen gelebt. Das zeigt die aktuelle kriminalstatistische Auswertung zur Partnerschaftsgewalt des Bundeskriminalamtes. Demnach wurden 2019 insgesamt 141.792 Menschen Opfer von Partnerschaftsgewalt. Knapp 115.000 Opfer waren weiblich.

Um auf diese schwierige Situation von Mädchen und Frauen aufmerksam zu machen und Hilfsangebote aufzuzeigen, veranstalten die  Gleichstellungsbeauftragten im Kreis Mettmann bereits seit dem Jahr 2011 die Brötchentütenaktion „Gewalt kommt nicht in die Tüte!“.

Auch in diesem Jahr gehen rund um den internationalen Aktionstag am 25. November in den Bäckereien, Tankstellen, Reformhäusern und Tafeln im Kreisgebiet Brot und Brötchen in pink leuchtenden Tüten über den Tresen mit der Aufschrift „Gewalt kommt nicht in die Tüte!“.

Insgesamt werden 55.000 Tüten verteilt. Der Aufruf ist in sieben Sprachen übersetzt und mit Notrufnummern und einem QR-Code versehen. Bei Bedarf erhalten die Frauen am Telefon Unterstützung in ihrer Muttersprache.

Häusliche Gewalt: 29 Fälle in Wülfrath

„Wir wollen mit der Aktion das Thema aus der Tabuzone holen, Hilfestellung anbieten und den Frauen Mut machen, Täter anzuzeigen. Der SKFM hat auf Anfrage mitgeteilt, dass der Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt im Kreis Mettmann in der Zeit vom 01. Januar bis 15. Oktober 2020 845 Fälle von häuslicher Gewalt gemeldet wurden. Auf das Stadtgebiet Wülfrath entfallen 29 Fälle. Das sind natürlich nur die offiziellen Zahlen. Wir müssen leider von einer viel höheren Dunkelziffer ausgehen“, so Franca Calvano, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Wülfrath.

Für die Unterstützung durch die Bäckereibetriebe in Wülfrath, den „unverpackt“-Laden, das Geschäft Naturkost Faubel und der Wülfrather Tafel sagt sie Danke: „Sie helfen uns dabei, den Frauen zu zeigen, dass sie in ihrer Not nicht alleine sind!“

Das sind die Hilfenummern:

Bundesweites Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen 08000/116 016,
Polizei 110
Frauenhaus für den Kreis Mettmann  02104/92 22 20
Beratungsstelle gegen häusliche Gewalt  02104/14 19221
Polizeilicher Opferschutz   02104/982 1067
Uniklinik Düsseldorf, Gewaltopferambulanz  0211/81 0 60 00


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