Freitag | 21. Januar 2022
 
Wülfrath  | 

„Wir können einen Unterschied machen“

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Auf den Tafeln an der Strecke des PanoramaRadweges wird für die Innenstadt geworben. Foto: MGO
Auf den Tafeln an der Strecke des PanoramaRadweges wird für die Innenstadt geworben. Foto: MGO

In einem Gastbeitrag für Taeglich.ME warnt Kattrin Gruner-Oleson vor einer Geisterstadt. In ihren Thesen für eine vielfältigere Innenstadt mahnt sie dazu, das eigene Einkaufsverhalten zu hinterfragen.

In der Wülfrather Altstadt gibt es eine kleine Parfümboutiqe. Dort findet man eine gute Auswahl an hochwertigen Parfüms, Pflegeprodukten und Makeup. Wer dort einkauft, bekommt eine sehr gute und ehrliche Beratung. Hier werden Wünsche der Kunden nachgegangen.

Bekommt man zu Weihnachten, oder zum Geburtstag ein Geschenk aus dieser Boutique,  ist es immer ganz besonders eingepackt.

Zu den Stammkunden gehören Kunden,  die schon seit mehreren Generationen die tolle Bedienung und Ratschläge, freundliche Gespräche genießen durften.

Aber damit soll jetzt Schluss sein! Die Stadt wird noch ein Geschäft verlieren.

Dass das Internet ein enormer Konkurrent ist, wundert wohl keinen. Doch muss man das als Stadt und Bürger einfach so hinnehmen?

Wie es weitergehen könnte, ist auch kein Rätsel.

„Blinde“ Geschäftsfenster locken nicht gerade neue Geschäfte in die Stadt. Und Leerstand gibt es leider schon genug. So könnte es passieren, dass es hier in nicht so fernen Zukunft sehr trist werden könnte.

Der Bezug zur eigenen Umgebung,  die Einstellung,  das Kaufverhalten,  spielen eine Rolle.

In den letzten Jahren wächst das Interesse für die Umwelt wieder bei mehr Menschen in der Gesellschaft. Ein Umweltbewusstsein wird auch gestärkt, wenn man einen persönlichen Bezug zu seiner Umgebung hat.

Diesen persönlichen Bezug zu seiner Umgebung erreichen wir besser, wenn wir mit Menschen in Kontakt treten.

Wie kann man verhindern eine unpersönliche Geisterstadt zu werden?

Sollen alle Städte identisch sein?

Sollen sie nur aus großen Parkplätzen bestehen, wo man hinfährt und in konformen Geschäften alles bekommt, wo man die Waren häufig schnell in den Wagen wirft,  wo persönliche Begrüßungen eine Rarität sind (oft seitens der Kunden).

Vielleicht können wir die momentane Krise nutzen, um uns zu überlegen, wie wir mit unserem Einkaufsverhalten umgehen möchten (nach der Krise). Wir können einen Unterschied machen!

Das soll nicht heißen, dass man ausschließlich und nur in kleinen Geschäften und nur „bio“ einkaufen kann und auf andere zeigt, die es nicht machen. Sondern einfach nur überlegen: Was gibt es hier vor Ort? Und vielleicht anstatt von zu Hause alles zu bestellen, einfach mal wieder vor die Türe gehen,  eine gemütliche Einkaufstour mit Freunden oder Familie machen und unter Menschen kommen – wenn es die Krise zulässt.

Auf der kleinen Parfümprobe, die ich als Dankeschön für meinen Einkauf geschenkt bekommen habe, steht „la vie est belle“. Momentan kann ich dem nicht zustimmen, was unsere Innenstadt betrifft. Aber hoffentlich gibt es Ansätze, die die Hoffnung leben lassen.

+++ Kattrin Gruner Oleson engagiert sich vielfältig in Wülfrath, ist unter anderem in der Flüchtlingsinitiative Inga aktiv. +++


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