Mittwoch | 30. November 2022
 
Wülfrath  | 

„Schreiben und singen, was mich und mein Leben bewegt“

Von

Im Herbst will Thorsten Willer sein neues Album veröffentlichen. Fertigproduziert ist es. Darauf kehrt er zur englischen Sprache zurück. Auf YouTube gibt es erste Videos.

Thorsten Willer ist Jack McBannon. Foto: Frank Metzemacher

Ein „Auftritt“ in der Online-Show seines Kumpels Sven Martin vor rund einer Woche. Ein Internet-Konzert aus seinem Wohnzimmer am vergangenen Mittwoch. Thorsten Willer, der um diesen Jahreszeit eigentlich dauerhaft tourt, spielt seine Gitarre aktuell nur zuhause, anstatt in Clubs und auf Bühnen auch für sein neues „Baby“ zu werben. Denn der Wülfrather ein neues Album in der Pipeline…

TME: Zwei bemerkenswerte Alben auf Deutsch. Nun kündigst Du ein Album auf Englisch an. Wie kam’s zu diesem Schritt?
Willer: Danke dir! Ich habe im Frühjahr 2018 angefangen, für das Album zu schreiben und zu recorden und hatte nach den beiden deutschen Alben einfach Lust, wieder zu meinen Wurzeln zu gehen und nochmal auf englisch zu texten. Das kam zum einen dadurch, dass ich so gut wie gar keine deutsche Musik höre momentan, wie auch dass ich nach den fünf Jahren, in denen ich fast ausschließlich auf Deutsch geschrieben hab, wieder was neues machen wollte.

Zudem war ich ja im letzten Jahr auch erstmals in Russland auf Tour und möchte im Allgemeinen meinen Tour-Radius wieder weiter öffnen und dafür ist die englische Sprache natürlich perfekt.

TME: Fühlt es sich für Dich persönlich anders an, englisch zu texten?
Willer: Es fühlt sich gerade „richtiger“ an. Ich schreibe immer so, wie es aus mir herauskommt und genau das ist seit 2018 so passiert.

TME: Deine Texte leben ja von der Nähe zu Dir: Man spürt und erkennt Dich in den deutschen Texten. Wie ist dies bei den englischen Songs?
Willer: Das ist bei den Texten an sich im Englischen genauso. Ich schreibe auch jetzt über mein Inneres und was mich und mein Leben bewegt. Nur ist es gerade bei deutschsprachigem Publikum natürlich so, dass bei deutschen Texten meist zuerst auf den Text und bei englischen Songs zuerst auf die Musik gehört wird. Da mir aber der Text und die Musik gleich wichtig sind, sehe ich das nicht als „Konkurrenz“.

TME: Du bist ja laufend auf Tour: Wie nimmst Du da ein Album auf?
Willer: Das neue Album hab ich immer in den Tourpausen aufgenommen. Ich bin ja immer maximal circa ein bis zwei Wochen am Stück auf Tournee und dazwischen immer rund eine Woche zu Hause. In dieser Zeit hab ich dann so gut wie immer recordet.

TME: Wie viele Musiker haben diesmal mitgewirkt?
Willer: Es war mir bei diesem Album ganz besonders wichtig, dass ich fast ausschließlich alles alleine mache. Ich habe dieses Album – bis auf die Drums – komplett alleine in meinem kleinen Studio bei mir zu Hause aufgenommen und dabei alle Instrumente selbst eingespielt: Gesang, Gitarre, Mandoline, Banjo, Piano, Percussion, Synthesizer und Bass.

Das Schlagzeug habe ich vorerst programmiert und es wurde dann anschließend von Jens Dreesen in Düsseldorf mit mir gemeinsam eingespielt. Die Album-Produktion, wie auch das Editing und jegliche Nachbearbeitung habe ich auch im Alleingang gemacht. Anschließend wurde dann alles von Jens Dreesen gemixt und gemastert. Außer mir hat also nur eine Person an dem Album mitgearbeitet.

Wie schon beim Recording und der Album-Produktion war es mir auch bei den Videos besonders wichtig, alles im Alleingang zu schaffen.“

TME: Auf YouTube gibt es zu den bisher bekannten drei Songs beeindruckende Videos. Wer ist dafür verantwortlich?
Willer: Danke dir! Ja, Videos gibt es zu „Right Here“, „The Snowflake“ und Free Fallin“.
Die Videos habe ich, wie auch die Album-Produktion, komplett alleine gemacht. Ich habe mir vorab eine Drohne gemietet und – gerade bei „The Snowflake“ und „Right Here“ – alle Aufnahmen damit selbst gemacht, als ich im Februar diesen Jahres in der Schweiz auf Tour war. Für „Free Fallin“ habe ich Teils auf Stock-Material gebaut.

Den Video-Schnitt, wie auch die Post-Produktion und alles weitere habe ich wieder komplett alleine gemacht bei allen drei Videos. Wie schon beim Recording und der Album-Produktion war es mir auch bei den Videos besonders wichtig, alles im Alleingang zu schaffen.

TME: Mit „Free Fallin'“ coverst Du einen Klassiker des verstorbenen Tom Petty. Was bedeutet Dir Petty? Warum diesen Song?
Willer: Ich finde, dass Tom Petty ein grandioser Songwriter war, der gerade mit ganz simplen Mitteln – sehr wenige Akkorde pro Song – ganz große Songs geschaffen hat. Anfang 2008 habe ich mich zum allerersten mal gefilmt, wie ich einen Song spiele und dieses Video als mein allererstes auf YouTube hochgeladen. Dieser Song war „Free Fallin“.

Unter anderem auch deswegen habe ich mich entschieden diesen Song jetzt nochmal komplett neu aufzunehmen und diesmal ein richtiges Musikvideo dazu zu produzieren.

TME: Gibt es einen anderen Künstler, den Du auch mal gerne covern würdest?
Willer: Ich covere seit vielen Jahren auf Tour sehr gerne „Turn The Page“ von Bob Seger, wie auch Songs von Metallica. Ich denke, dass ich in Zukunft auch mal ein Metallica-Cover aufnehmen werde, da diese Band mich wirklich schon sehr lange begleitet und geprägt hat.

TME: Wünsch Dir was: Wer sollte mal einen Song von Dir covern?
Willer: Oh, das ist eine gute Frage. Aaron Lewis wär genial. Er ist Sänger von Staind, der seit vielen Jahren mittlerweile ein Solo-Projekt hat, wovon ich großer Fan bin.

TME: Wann erscheint das Album und hat es schon einen Titel?
Willer: Einen Titel gibt es schon, den ich aber -noch- geheimhalte. Das genaue Datum steht noch nicht, aber es wird planmäßig im Spätherbst diesen Jahres sein.

Ich liebe es, kreativ zu sein und mich darin auszuleben. Das lasse ich mir auch von einer Corona-Zwangspause nicht nehmen.“

TME: In Corona-Zeiten sind Konzerte aktuell kein Thema: Wie gehst Du damit um?
Willer: Da hast du recht. Auch mich hat diese ganz seltsame Zeit in eine Zwangs-Tourpause geschickt, die auch garantiert bis Ende Mai anhält. Ich werde die Zeit nach den zwei Jahren Recording und den Video-Produktionen nutzen, um runterzukommen. Jedenfalls, es zu versuchen.

Ich arbeite schon an weiteren drei Musikvideos, die größtenteils schon fertig sind. Bestimmt werde ich auch weiterhin an neuen Songs schreiben.

Ich liebe es, kreativ zu sein und mich darin auszuleben. Das lasse ich mir auch von einer Corona-Zwangspause nicht nehmen.

TME: Du bist – schenkt man den sozialen Netzwerken Glauben – ständig auf Achse. Bleibst Du jetzt zu Hause?
Willer: Ich bleibe jetzt wirklich zu Hause. Es fällt mir sehr schwer, da ich das Reisen liebe und brauche – ob auf Tour oder auch privat. Trotzdem ist es jetzt wohl leider das richtige, zu Hause zu bleiben und dies werde ich auch tun. Mein Geist bleibt frei.


Alle Rechte vorbehalten.

Wo kann ich diesen Artikel kommentieren?

Leider bieten wir diese Funktion nur unseren Abonnenten an. Registrieren können Sie sich hier. Sollten Sie bereits Abonnent von Taeglich.ME sein, so können Sie sich hier einloggen und diesen Artikel kommentieren.