Montag | 18. Oktober 2021
 
Mettmann  | 

Lärmkartierung: „Mettmann ist grundsätzlich recht leise“

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Auf diesen Tag haben vor allem die Anwohner der Nordstraße lange gewartet: Gestern wurde im Ausschuss für Klimaschutz, Umwelt und Mobilität eine Lärmkartierung vorgestellt. Das Ergebnis der Experten: An manchen Straßen ist es laut, in anderen Kommunen ist die Situation aber schlimmer - und Abhilfe ist schwer.

Die Nordstraße: Hier ist es besonders laut. Foto: TME
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Hinter der Abkürzung BImSchG verbirgt sich das Bundesimmissionsschutzgesetz. Darin ist festgelegt, dass ein Lärmaktionsplan aufzustellen ist, wenn anhand einer Lärmkartierung festgestellt wird, dass die Lärmbeeinträchtigungen für Teile der Wohnbevölkerung bzw. an bestimmten Stellen im Stadtgebiet bestimmte Grenzwerte überschreiten. Zu berücksichtigen ist insbesondere Lärm, der sich aufgrund von Straßen-und Schienenwegen ergibt.

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) gibt für die Bundes- und Landstraßen erste Berechnungen vor. Für weitere Straßen mit einer Verkehrsbelastung von mehr als 8.000 Fahrzeugen pro 24 Stunden sind in der aktuellen Stufe des Lärmaktionsplans ebenfalls Untersuchungen erforderlich. Da dies auf mehrere städtische Straßen in Mettmann zutrifft, hat die Stadtverwaltung ein Düsseldorfer Ingenieurbüro mit der Erstellung einer Lärmkartierung beauftragt. Die Ergebnisse wurden gestern im Ausschuss für Klimaschutz, Umwelt und Mobilität vorgestellt – aufmerksam verfolgt unter anderem auch von Günter Meckel von der Initiative Nordstraße, die immer wieder darauf aufmerksam macht, wie laut es vor den Haustüren der Nordstraße vor allem seit der Freigabe der Seibelquerspange und Netztrennung rund um den Jubiläumsplatz geworden ist.

Er musste sich aber etwas gedulden. Zunächst stellten Volker Albers und Heinz-Peter Aymans vom Ingenieurbüro Peutz ihre Ergebnisse in Bezug auf Lärm, der von der Bahnstrecke ausgeht, vor: Hier seien keine gravierenden Pegel festgestellt worden, so die Experten – auch durch den nur geringen Güterverkehr. Die Karte, die den Kommunalpolitikern gezeigt wurde, zeigte lediglich rote Farbtöne – keine Lila-Blau-Töne, die für einen Dezibel-Wert, der höher als 75 dB ist, stehen würden. 25 Wohnungen seien jedoch einer Dezibel-Belastung von mehr als 65 ausgesetzt. Generell verursache die Schiene also keine Lärmprobleme in Mettmann, so Aymans. „Das heißt aber eben nicht, dass es überall gut ist.“ Durch die Elektrifizierung der Strecke rechnen die Ingenieure mit einer Verringerung des Bahnlärms um 2 dB. Fakt ist aber auch: Die Messungen wurden noch mit den alten – weißen – Regiobahn-Dieselfahrzeugen durchgeführt – nicht mit der bayerischen Dieselzug-Interims-Lösung, die aktuell ebenfalls zwischen Kaarst und Wuppertal unterwegs ist. Ratsherr Thomas Sterz (FDP) berichtete, dass Anwohner diese Züge als lauter empfinden würden.

Dann widmeten sich die Experten den Straßen. Auch hier sehe es im Vergleich zu anderen Städten in Mettmann recht gut aus. „Mettmann ist grundsätzlich recht leise“, so Aymans. Nirgendwo sei der Wert höher als 75 dB am Tag. Das sei in anderen Kommunen durchaus anders.

Bei der Betrachtung der Bundes- und Landstraßen seien 97 Menschen von einer Dezibel-Belastung zwischen 70 und 75 db betroffen. Das betreffe Häuser im Bereich der Düsseldorfer Straße 214 bis 254, im Bereich Diepensiepen 30/32 und am Gruitener Weg. Dies werten die Experten als „nur vereinzelt betroffene Gebäude“.

Deutlich mehr Gebäude sind betroffen, wenn man die städtischen Straßen mit einer Belastung von mehr als 8000 Fahrzeugen in 24 Stunden hinzunimmt. Dann wird der ganze Bereich der Düsseldorfer Straße / Am Kolben tiefrot, aber auch der Bereich Nordstraße 65-69, die Hammerstraße 1, die Talstraße 30-34 und 177, und die Wülfrather Straße 12 und 188.

Und was jetzt?

Es gebe grundsätzlich fünf Möglichkeiten, den Lärm zu reduzieren, so die Gutachter. Eine Möglichkeit: verkehrslenkende Maßnahmen. „In diesem Bereich ist ja in Mettmann schon einiges durchgeführt worden“, weiß Aymans nicht, ob es noch Verbesserungspotenzial gäbe. Und selbst wenn, müsste die Verkehrsmenge drastisch reduziert werden. Eine zehnprozentige Minderung der Kfz-Menge bringe gerade einmal 0,5 dB Verbesserung. Die zweite Möglichkeit: Tempolimits. Hier gibt es jedoch gleich zwei Probleme. Zum einen hat der Kreis Mettmann in der Vergangenheit Geschwindigkeitsbegrenzungen auf der Nordstraße und Berliner Straße abgelehnt, zum anderen bringt eine Reduzierung von 50 auf 30 km/h gerade einmal eine Verbesserung von zwei bis drei dB. „Und erst ab drei dB ist ein Verbesserung wirklich spürbar“, so Aymans. Mit moderneren Fahrbahnbelägen – Möglichkeit 3 – könne eine Verbesserung von 2 dB erreicht werden – bei recht hohem Aufwand und Kosten. Das könne man somit eher berücksichtigen, wenn eh eine Fahrbahnerneuerung anstehe, so die Ingenieure. Wirksam seien – als vierte Möglichkeit – Lärmschutzwände, allerdings sei das baulich an den städtischen Straßen nicht möglich. Und somit ist man schnell bei Möglichkeit 5 angelangt – dem passiven Schallschutz, also bauliche Maßnahmen (u. a. Schallschutzfenster).

Thomas Schött (Grüne) wollte wissen, ob sich die Lärm denn durch Elektroautos reduzieren werde – und ob die einzelnen Maßnahmen-Vorschläge kombinierbar seien. Auch hier ist es nicht so einfach: Manche Maßnahmen seien kombinierbar – beispielsweise Tempolimits und Schallschutzwände, andere nicht, da sich Effekte gegenseitig aufheben oder zumindest reduzieren. Elektrofahrzeuge würden nur bis einem Tempo von etwa 50 km/h für Entlastung sorgen. Bei höheren Geschwindigkeiten sei das Rollgeräusch das dominierende und somit wahrgenommene.

Und die Experten sorgten auch in einem weiteren Punkt für Ernüchterung: Vorgeschrieben ist lediglich die Kartierung und ggf. Aufstellung eines Lärmaktionsplans – konkrete Maßnahmen, die zu einer Reduzierung der dB-Belastung führen, hingegen nicht. „Sehen Sie die Kartierung als eine Art Masterplan“, so Aymans.

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